Autoimmunerkrankung

Wenn das körpereigene Immunsystem keine eindringenden Bakterien bekämpft, sondern sich gegen den Körper selbst richtet, spricht man von einer Autoimmunerkrankung. Irrtümlicherweise betrachtet die Immunabwehr körpereigenes Gewebe als zu bekämpfenden Fremdkörper. Dort, wo diese Reaktionen stattfinden, kommt es zu chronischen Entzündungen, Schwellungen, starken Schmerzen, Mobilitätsverlusten, Knochendemineralisierungen und Gewebe- sowie Organschädigungen. Die Ursachen und Auslöser dieser fehlgeleiteten Immunreaktion sind bis heute noch unklar. Eine etwaige Therapie beschränkt sich meist nur auf die Linderung der Symptome. Ohne jegliche Behandlung setzt sich dieser Angriff des Abwehrsystems jedoch lebenslang fort oder führt zur vollständigen Zerstörung der betroffenen Organe oder Gewebe.

Ursachen noch unklar

Wieso das Immunsystem den Körper angreift, ist noch nicht eindeutig erforscht. Mehrere Faktoren scheinen eine Rolle zu spielen. Fest steht, dass eine genetische Veranlagung das Erkrankungs-Risiko erhöht. Doch nicht allein die Gene führen zu einer Autoimmunkrankheit. Ungünstige Umwelteinflüsse wie enormer Stress, Rauchen oder Virusinfektionen tragen ebenfalls zu einer übersteigerten und fehlgeleiteten Immunreaktion bei. Wissenschaftlicher sind sich zudem sicher, dass auch veränderte Bakterienstämme und Hygienebedingungen Ursachen für die steigende Anzahl der Autoimmunerkrankungen sein können. Durch zu geringe Konfrontationen mit Bakterien, aufgrund der modernen Hygienestandards, wird die Entstehung diverser Immunerkrankungen gefördert. Hinsichtlich der Tatsache, dass mehr Frauen als Männer erkranken, wird außerdem die unterschiedliche Zusammensetzung der Darmbakterien als möglicher Auslöser von Autoimmunerkrankungen diskutiert.

Linderung der Symptome aber keine Heilung

Die Symptome der Krankheit sind vielfältig und individuell verschieden. Oftmals werden bestimmte Symptome nicht als Anzeichen einer Autoimmunerkrankung erkannt. Patienten leiden unter Rückenschmerzen oder Sehstörungen und landen dementsprechend beim Orthopäden oder Augenarzt. Eine frühzeitige Diagnose ist jedoch entscheidend für den weiteren Verlauf der Krankheit. Je früher die jeweilige Autoimmunerkrankung erkannt wird, desto besser stehen die Chancen, die Krankheit und deren Symptome einzudämmen.

Zwar lassen sich Autoimmunerkrankungen nicht verhindern, doch kann man durch eine gesunde Lebensweise, viel Bewegung und eine ausgewogene, gesunde Ernährung einiges tun, um das Immunsystem zu stärken und es fit zu halten. Das Risiko einer Erkrankung kann dadurch gemindert werden.

Krankheitsbilder der Autoimmunerkrankungen

In Deutschland sind etwa vier bis fünf Prozent der Menschen von einer Autoimmunkrankheit betroffen. Die bekanntesten und am häufigsten auftretenden Krankheiten sind Hashimoto Thyreoiditis, Colitis ulcerosa, Psoriasis, Multiple Sklerose, Morbus Crohn, Diabetes und die rheumatoide Arthritis. Ärzte unterscheiden zwischen Autoimmunerkrankungen, die sich nur gegen ein bestimmtes Organ richten und den systemischen Autoimmunreaktion, welche mehrere Organe beeinträchtigen. Bei Diabetes zum Beispiel ist nur die Bauchspeicheldrüse von der Immunreaktion betroffen, im Gegensatz zur rheumatoiden Arthritis, bei der mehrere Gelenke beschädigt werden.