Mikronährstoffe bei AMD – Wie die Augen profitieren

Aktuellen Studien zufolge kann durch gezielte Substitution die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) positiv beeinflusst werden. AMD hat die diabetische Retinopathie als häufigste Ursache der Erblindung in Deutschland von Platz 1 verdrängt, wie aus dem Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes 2014 hervorgeht. Bereits jeder Dritte über 60 leidet hierzulande unter Sehkraftverlust durch krankhafte Veränderungen der Makula. Die demografische Alterung der Bevölkerung wird die Zahl der Betroffenen unausweichlich steigen lassen. Risikofaktoren für das Entstehen einer AMD sind u.a. Rauchen sowie die mangelhafte Versorgung mit Mikronährstoffen.

Oxidativer Stress in der Retina

Bei der AMD werden die Netzhautzellen nicht ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Die ausreichende Eliminierung von Stoffwechsel-Abbauprodukten ist dadurch nicht mehr gewährleistet; Ablagerungen und Gefäßveränderungen auf der Netzhaut sind die Folge. Diese verliert ausgerechnet an der Stelle des schärfsten Sehens, der Makula, allmählich ihre Funktion. Die zentrale Sehschärfe lässt nach – bis ein dunkler Fleck den Fixierpunkt verdeckt.

Das gesunde Auge verfügt über effiziente natürliche Schutzmechanismen: Die Makula-Pigmente Lutein und Zeaxanthin wirken wie eine „innere Sonnenbrille“ und filtern schädliche, kurzwellige Anteile des Lichts heraus. Darüber hinaus spielen diese Carotinoide als Radikalfänger in einem hochwirksamen Abwehr- und Reparatursystem gegen „oxidativen Stress“ eine wichtige Rolle: Beim Sehzyklus können freie Radikale – meist aggressive Sauerstoffverbindungen – entstehen, die die umliegenden Zellmembranen angreifen und zerstören. Verschiedene Beobachtungen sprechen dafür, dass der Pigmentgehalt der Makula-Zellen mit zunehmendem Alter abnimmt und damit die Aktivität der internen Schutzmechanismen.

Mikronährstoffmangel unter der Lupe

Mittlerweile ist bekannt: Bestimmte Mikronährstoffe aus unserer Nahrung, wie Antioxidantien (Vitamine, Carotinoide), Omega-3-Fettsäuren – langkettige mehrfach ungesättigte Fettsäuren und Spurenelemente, sind zum Schutz der Augen essentiell. Es gibt Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen sinkender Lutein- und Zeaxanthin-Konzentration in der Makula und steigendem Risiko für eine AMD. In den letzten Jahren ist daher der Einsatz von Mikronährstoffen bei AMD in den Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen gerückt.

Bereits in der australischen Blue Mountains Eye Study (BMES) – einer großangelegten Langzeit-Kohortenstudie – wurden Anfang der 1990er Jahre die Essgewohnheiten der Probanden erfasst und diese nach 5, 10 und 15 Jahren auf die Entwicklung einer AMD hin untersucht. Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass eine Fischmahlzeit pro Woche – also die regelmäßige Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren – mit einem um 31% verringerten Risiko, eine frühe AMD zu entwickeln, verbunden ist. Auch Lutein und Zeaxanthin (in dunkelgrünen Gemüsesorten) und Zink wirkte sich risikomindernd aus.

In der AREDS1-Studie (Age-Related Eye Disease Study) wurden Probanden mit einer frühen AMD auf beiden oder einer weiter fortgeschrittenen AMD auf nur einem Auge mit einer hochdosierten Kombination von Antioxidantien und Spurenelementen (Vitamin C und E, Beta-Carotin, Zink und Kupfer) behandelt. Das Risiko einer Visusminderung durch Entwicklung einer späten AMD konnte mit dieser Mehtode um rund 25% gesenkt werden. In der Folgestudie AREDS2 wurden um durchschnittlich 10 Jahre ältere Probanden mit bereits weiter fortgeschrittenen AMD-Stadien auf beiden Augen untersucht. Der Austausch von Beta-Carotin durch Lutein und Zeaxanthin ergab eine Risikominderung des Sehkraftsverlusts durch eine späte AMD um etwa 18%.

Vor kurzem bestätigte die sog. LUTEGA-Studie der Uniklinik Leipzig, dass gezielte Substitution der Makulapigmente Lutein und Zeaxanthin in Kombination mit Omega-3-Fettsäuren ihren niedrigen Spiegel im Serum kompensieren kann: Sowohl Serumspiegel als auch die optische Dichte der Pigmente in der Makula der Probanden stiegen signifikant an und hatten nach drei Monaten ein konstantes maximales Niveau erreicht. Die Sehkraft der Teilnehmer stabilisierte sich oder verbesserte sich sogar von einem Ausgangsvisus von 0,8 um 7 gelesene Buchstaben – vereinzelt hatten sich sogar spontan Drusen zurückgebildet. Diese Ergebnisse bekräftigen, dass Lutein und Zeaxanthin einen positiven Einfluss auf die Makulapigmentdichte und visuelle Funktionen haben.

Literaturverzeichnis

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- Chew EY, Clemons TE, San Giovanni JP, et al. Lutein + zeaxanthin and omega-3 fatty acids for age-related macular degeneration: The Age-Related Eye Disease Study 2 (AREDS2) randomized clinical trial. JAMA. 2012;309(19):2005-15.
- Hammes HP. Diabetes und Augenerkrankungen. Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2014. Kirchheim-Verlag, Mainz 2014;S. 103-112.
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