Lactobazillen verringern Säuglings-Koliken

In den ersten Lebensmonaten lässt so mancher Säugling seine Eltern durch lautes Schreien nicht zur Ruhe kommen. Meist führt man dies auf Darmkoliken zurück, oft treten dazu auch der Reflux von Milch oder Verstopfung auf. Die eigentlichen Ursachen für diese Verdauungsstörungen, die ca. bis zu sechs Monate anhalten können, sind nicht bekannt. Vor einem Jahr ließ eine mikrobiologische Studie vermuten, dass die Ursache in der Entwicklung der Darmflora zu finden ist.

Gesunde Bakterien verbessern Darmflora von „Schreikindern“

Mit Hilfe von DNA-Tests hatten Mediziner bei 24 Säuglingen die Darmflora untersucht. 12 Babys gehörten zu den „Schreikindern“, die anderen 12 verhielten sich normal. Die Analyse der Darmproben zeigte, dass sich in der Darmflora der „Schreikinder“ deutlich weniger verschiedenartige Bakterien fanden. Dabei überwogen Proteobakterien, von denen einige gasbildend wirken. Das stützte die Vermutung, dass schmerzhafte Blähungen das Schreien der Säuglinge auslösen können. Den betroffenen Kindern fehlten außerdem gute Mengen an gesunden Bifidobakterien und Laktobazillen. Beide waren bei gesunden Kindern deutlich stärker vorhanden. Das führte zur Annahme, dass die Gabe von Probiotika Säuglingskoliken verhindern oder vermindern könnte. Eine Meta-Analyse von 12 Studien mit 1.825 Säuglingen zeigte, dass die Gabe von Laktobazillen vor allem bei gestillten Kindern die Koliken verringerte. Bei Kindern, die mit Ersatznahrung gefüttert wurden, war die Wirkung jedoch uneinheitlich.

Weniger Koliken durch Probiotika

Eine neue italienische Studie (randomisiert, doppelblind) stärkt nun abermals die Wirkung von Probiotika auf Koliken. 554 nur wenige Tage alte Säuglinge nahmen daran teil. Ihre Mütter erhielten ein Fläschchen mit einer Flüssigkeit, von der sie ihren Kindern drei Monate lang täglich 5 Tropfen geben sollten. Die Hälfte der Kinder erhielt jeden Tag Lactobacillus reuteri-Einheiten (1 x 10 hoch 8), die anderen ein Placebo. Die Eltern notierten dazu alle Vorkommnisse, die auf Darmstörungen bei ihren Kindern hinwiesen. Nach drei Monaten hatten die Probiotika die Verdauungsstörungen der Säuglinge deutlich verbessert.

Die Koliken hatten sich verringert (im Durchschnitt 38 statt 71 Minuten), gleiches galt für den Reflux (im Durchschnitt 2,9 statt 4,6 pro Tag). Weiter stieg die Zahl der Darmentleerungen an. Zu den Folgen gehörte, dass die Mütter ihren Kindern weniger Medikamente verabreichten, seltener mit ihnen zum Arzt gingen, und die Eltern bei Berufstätigkeit weniger Arbeitstage versäumten.

Quelle

www.aerzteblatt.de vom 14.1.2014

Originalartikel:

Valerie Sung et al., Probiotics to Prevent or Treat Excessive Infant Crying: Systematic Review and Meta-analysis. In: JAMA Pediatrics Vol. 167, Nr. 12, 2013, S. 1150-1157. doi: 10.1001/jamapediatrics. 2013.2572.

Zurück